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Fragen und Antworten zu TSE in Schafen und Ziegen

Das Thema Scrapie beschäftigt sowohl Züchter als auch Konsumenten. Sensibilisiert durch das BSE-Chaos bei den Rindern hat die EU einige Rechtsvorschriften erlassen, die drastische Maßnahmen in der Tierzucht, der Fleischproduktion und in der Lebensmittelhygiene erfordern.
Da sowohl die Züchtervereinigungen als auch Vertreter von BMLFUW, BMGF und Landeskammern die Sinnhaftigkeit eines Zuchtprogrammes auf Scrapie Resistenz anzweifelt, hat Österreich statt dessen ein Scrapie-Überwachungs- und Bekämpfungsprogramm vorgelegt, welches derzeit in Brüssel begutachtet wird. Damit will man für Österreich die Scrapiefreiheit erreichen.

Was sind transmissible spongiforme Enzephalopathien (TSE)?

TSE sind eine Familie von Krankheiten, die bei Mensch und Tier auftreten und durch eine Zerstörung des Hirngewebes gekennzeichnet sind, wodurch das Gewebe eine schwammige Konsistenz bekommt. Zur Gruppe gehören Krankheiten wie Creutzfeldt-Jakob (CJD) beim Menschen, bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) beim Rind und Scrapie bei Schaf und Ziege. Während BSE erst seit relativ kurzer Zeit bekannt ist, kennt man Scrapie (die Traberkrankheit) bereits seit Jahrhunderten; aufgrund der verfügbaren Daten wird Scrapie als nicht auf den Menschen übertragbar und damit nicht als Gefahr für den Menschen angesehen. Dennoch gelten die Rechtsvorschriften der EU zum Schutz vor der Verbreitung und Übertragung von BSE auch für Schafe und Ziegen, im Sinne einer Vorsichtsmaßnahme (dazu gehören seit 2000 die Entfernung von spezifischem Risikomaterial wie Hirn und Rückenmark sowie seit 1994 das Verbot der Verfütterung von Fleisch- und Knochenmehl an Wiederkäuer).
Gibt es Beweise oder Gründe für den Verdacht, dass Schafe und Ziegen auch mit BSE infiziert werden können?
BSE wurde bei Schafen auf der Weide bislang nicht festgestellt. Es ist jedoch bekannt, dass zum Teil Schafe im Vereinigten Königreich und anderswo in den achtziger und frühen neunziger Jahren mit Futtermitteln gefüttert wurden, die dieselbe Art von kontaminiertem Fleisch- und Knochenmehl (MBM) enthielten, wie es für die Verbreitung von BSE bei Rindern verantwortlich war. Dies hat Wissenschaftler veranlasst, sich die Frage zu stellen, ob BSE auch kleinere Wiederkäuer befallen haben könnte. Die Verfütterung von MBM an Wiederkäuer ist in der EU seit 1994 verboten ein völliges Verbot der Verfütterung von MBM an Nutztiere ist seit Januar 2001 in Kraft. MBM steht im Verdacht, der Übertragungsweg für BSE zu sein, sofern es aus Material von infizierten Tieren stammt.
Auch ist seit einiger Zeit bekannt, dass BSE-ähnliche Erkrankungen im Experiment auf Schafe übertragen werden können, indem man ihnen Material verfüttert, das vom Hirn BSE-befallener Rinder stammt. Diese im Versuch künstlich erzeugte Krankheit lässt sich durch Untersuchung der klinischen Symptome oder mit den üblichen Schnelltests am Gehirn nicht von Scrapie unterscheiden. Die einzige Methode, mit der eine sichere Unterscheidung von Scrapie möglich ist, ist der Tierversuch an Mäusen, ein Verfahren, das bis zu zwei Jahren beansprucht.
Mit der begrenzten Zahl der bislang durchgeführten Tierversuche an Mäusen bei natürlichen Scrapie-Fällen konnte bislang kein BSE-artiger Stamm nachgewiesen werden, und bislang gibt es keine Anzeichen für BSE bei Schafen und Ziegen unter natürlichen Bedingungen. Alle neuen Erkenntnisse werden von den wissenschaftlichen Ausschüssen der EU ständig überprüft.

Wie lange leben Schafe und Ziegen?

Schafe und Ziegen sind Wiederkäuer, meist mit einer wirtschaftlich bedingten kurzen Lebensdauer. Je nach Markt werden die meisten Lämmer im Alter zwischen drei Monaten und einem Jahr geschlachtet; für Lämmer, die nur wenige Wochen alt sind, besteht eine begrenzte Nachfrage. Im Durchschnitt werden weibliche Schafe und Ziegen im Alter zwischen 6 und 7 Jahren gekeult. Die Tierkörper dieser älteren Tiere werden üblicherweise für Fleischprodukte für den menschlichen Verzehr oder auch für Haustierfutter verarbeitet.

Wie werden Schafe und Ziegen gefüttert?

Schafe und Ziegen, die für die Milchproduktion gehalten werden, werden normalerweise mit Konzentratfutter gefüttert. Auch säugende Mutterschafe erhalten für einige Wochen nach dem Ablammen Konzentratfutter. Die Beifütterung (ein Fütterungssystem, bei dem nur Lämmer, nicht aber die älteren Tiere Zugang zum Konzentratfutter haben) für junge Lämmer mit einem besonders schmackhaften Futter ist ebenfalls üblich. Generell ist jedoch die Verwendung von Konzentratfutter bei Schafen und Ziegen sehr viel weniger üblich als bei Rindern.

Was wissen wir über Scrapie?

Scrapie ist eine TSE, die Ziegen und Schafe befällt. Die Krankheit ist seit fast drei Jahrhunderten bekannt. Scrapie ist horizontal, also von einem Tier aufs andere, über Umweltfaktoren und vertikal, vom Muttertier aufs Lamm, übertragbar. Junge Lämmer von weniger als zwölf Monaten können Scrapie aufweisen, klinische Symptome treten aber überwiegend bei Tieren im Alter zwischen 2 und 5 Jahren auf. Klinische Anzeichen sind häufiges Reiben oder Kratzen des Körpers, Verhaltensänderungen wie Depression, Erregbarkeit oder Aggressivität sowie Haltungs- und Bewegungsänderungen wie Zittern und Stolpern, bis hin zum Tod.

Sind alle Schafe und Ziegen gleichermaßen empfänglich für TSE?

Nein. Untersuchungen zeigen, dass einige Genotypen des Schafs resistent gegen Scrapie sind, andere dagegen eher empfänglich, dazwischen liegt die ganze Bandbreite von Genotypen, die in unterschiedlichem Maße resistent sind. Das Verhältnis resistente / empfängliche Genotypen variiert von Rasse zu Rasse. Nach bisherigen Untersuchungen folgt auch die Resistenz von Schafen gegenüber experimentell erzeugter BSE einem ähnlichen Muster. Derzeit gibt es kaum Erkenntnisse zu Genotypen und Resistenz bei Ziegen.

In welchen Ländern gibt es derzeit TSE bei Schafen und Ziegen?

Scrapie wurde in den meisten Mitgliedstaaten und auf fast allen Kontinenten festgestellt. In zehn Mitgliedstaaten wurde Scrapie den nationalen Behörden gemeldet (Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, VK und Spanien). Dänemark, Luxemburg, Finnland, Portugal und Schweden haben in den letzten fünf Jahren keine Scrapie-Fälle gemeldet.
Scrapie wird aus den USA, Kanada und Japan gemeldet. Aus Australien und Neuseeland, den beiden Ländern mit dem größten Schafbestand, sind keine Fälle bekannt.
Die Inzidenz der gemeldeten Scrapie-Fälle ist jedoch sehr gering. Bei einem Gesamtbestand an Schafen und Ziegen von über 100 Millionen Tieren in der Gemeinschaft wurden im Jahre 2000 weniger als 1000 Fälle gemeldet. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass die tatsächliche Inzidenz höher ist und nicht alle Fälle gemeldet werden, ist doch deutlich, dass Scrapie eine weniger verbreitete Krankheit ist.

Wie viele Schafe und Ziegen gibt es in der EU insgesamt und in jedem der Mitgliedstaaten?

Die Zahl der Tiere und ihrer Nachkommenschaft schwankt mit der Jahreszeit (mehr Tiere im Frühjahr nach dem Ablammen), daher ist es schwer, genaue Zahlenangaben zu machen. Schätzungen zufolge sind es insgesamt 95 Millionen Schafe und 12 Millionen Ziegen. Nach Eurostat-Zahlen gab es im Jahre 2000 rund 68 Millionen Zuchtschafe und 9 Millionen Zuchtziegen in der EU.

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